Vor ein paar Wochen scrollte ich durch den Verlauf einer meiner Social Media Accounts und kam zu dem Schluss, dass gerade kein Beitrag dabei war, der mich weiter brachte. Ich wollte die App schon schließen, als ich auf eine “Challenge” stieß, bei der eine meiner Kolleginnen teilnahm. Idee der Challenge war, zehn Tage lang seine zehn Lieblingsbücher zu posten. Kaum im Augenwinkel wahrgenommen, dachte ich: “Oh bitte nicht schon wieder so eine Challenge”. Vermutlich habe ich davon einfach zu viel gesehen in den letzten Wochen.

Meine vielen Gesichter

Einen kurzen Augenblick später nahm ich jedoch den Titel des von meiner Kollegin an diesem Tag geposteten Buchs wahr und war plötzlich wie magisch angezogen. Es handelte sich um das Buch “Meine vielen Gesichter” von Virginia Satir. Ohne irgendetwas über das Buch zu wissen, wusste ich dennoch sofort, dass ich das Buch lesen musste. Ich machte einen Screenshot und schickte diesen per Whatsapp an meine Kollegin. Ich bat sie, mir das Buch ausleihen zu dürfen. Sie versprach, sich auf die Suche nach dem Buch zu machen. Bei unserem nächsten Treffen schenkte sie mir ein Exemplar. Sie hatte zwei gebrauchte Bücher bestellt, da ihr eigenes verschollen geblieben war. Was habe ich mich gefreut!

Es ist mir lange nicht passiert, dass mich ein “Fachbuch” so sehr in den Bann gezogen hat. Vielleicht deswegen, weil es sich nicht liest wie Fachliteratur. Innerhalb von 48 Stunden hatte ich es ausgelesen – meine Intuition scheint trotz Krise also noch zu funktionieren :).

Reise ins Innere

Virginia Satir nimmt den Leser mit auf eine Reise in seine innere Welt. Sie lädt dazu ein, seine eigenen Anteile, die die Autorin Gesichter nennt, kennen zu lernen und anzunehmen. Auch die, von denen wir gar nicht wussten, dass es sie gibt und die, die wir ablehnen und die uns unangenehm sind. Sie inszeniert die Geschichte als Theaterstück in zwei Akten. Jede Rolle besetzt Virginia Satir mit einem unserer Gesichter. In den Bann gezogen hat mich die Klarheit und Nähe um Leben, mit der sie schreibt. Es gelingt der Autorin, den Leser immer wieder zu überraschen. Das Gesicht “Ärger” sagt Dinge zur “Liebe”, die ich ihm nie zugetraut hätte. Macht, Eifersucht, Dummheit, Hoffnung und Intelligenz treten in unerwartete Dialoge und überraschen den Leser mit mutigen Möglichkeiten zum Perspektivenwechsel.

Einsatz in Coaching und Therapie

Das Buch “Meine vielen Gesichter – wer bin ich wirklich?” wird mich ab jetzt in meiner Coaching Tätigkeit und später als Heilpraktikerin für Psychotherapie begleiten. Es lässt sich so vielseitig einsetzen z.B. wenn es im Job-Coaching darum geht, herauszufinden was einem Klienten wirklich liegt oder warum er sich vielleicht bisher nicht getraut hat, seiner Berufung zu folgen.

Für meine Klienten, die ich im Kontext ihrer Hochbegabung berate, kann das Buch vielleicht einen Zugang dazu bieten, sein Gesicht “Hochbegabung” anzunehmen und sich die eigene, besondere Gabe zunutze zu machen, auch wenn es manchmal anstrengend ist, als Hochbegabter immer “auf der Reise” zu sein und nie anzukommen.

Für Mütter in meiner Praxis, die sich im Alltag zwischen Job und Kindern vielleicht verloren haben und die häufig gar nicht mehr wissen, was sie wollen, was ihnen gut tut oder ob es ihnen zusteht, Raum und Zeit für sich einzufordern, kann das Buch zum Innehalten, zur Reflexion der Situation, zum Sortieren der Gedanken und vielleicht als Impulsgeber für einen Neuanfang dienen.

Berichtet doch mal, ob ihr das Buch kennt, was ihr darüber denkt und wie ihr es in eurer Arbeit vielleicht einsetzt.